Resilienz-Seminare - Dressur von Mitarbeitern oder sinnvolle Hilfe bei Stress im Büro?

Es gibt Menschen die kommen mit Stress besser klar als andere. Psychologen nennen die Fähigkeit Resilienz. Die gute Nachricht: Man kann seine Resilienz in Anti-Stress Kursen verbessern.

Ist es für "starke" Chefs sinnvoll ihre Mitarbeiter auf Resilienzkurse zu schicken?

 

Eine Gruppe von Mitarbeitern steht - sagen wir nach dem Mittagessen Zigaretten rauchend - eng zusammen und spricht engagiert. Sie lästern über den Inhaber und Chef und sind sich seltsam einig: Ihr Chef sei immer so genervt, hätte mal wieder total unsachlich kritisiert und keine anderen Meinungen zugelassen. Sie könnten ja doch nichts ändern und würden dann halt das machen, was der Chef sagt.

 

Inhabergeführte Unternehmen haben oft starke Chefs und eine besondere Führungskultur. Das hat sie sehr erfolgreich gemacht und ist tief verwurzelt.

Viele Mitarbeiter akzeptieren das und halten das gut aus. Sie sind dankbar für Möglichkeiten und Herausforderumgen, die sie haben und dass sie gerade nicht in einer herkömmlichen Behörde arbeiten und trotzdem einen sicheren Arbeitsplatz haben.

 

Aber es gibt eben auch die oben beschriebenen Mitarbeiter, die das Tempo nicht mitgehen können oder wollen. Die fühlen sich schlecht und ohnmächtig. Und ziehen mit dieser Stimmung andere Kollegen runter anstatt sie zu motivieren.

 

Was kann man in einer solchen Situation machen?

Sehr modern sind zur Zeit die sog. Resilienz-Seminare. Das sind Fortbildungen auf denen Mitarbeiter lernen, Ihre psychische Abwehrkraft zu steigern, sich nicht runterziehen zu lassen und wieder motivierter zu arbeiten. 

Ich stimme der Einschätzung der Süddeutschen Zeitung vom 14.3.2015 in "Menschen fürs Büro dressieren" zu, die vom Arbeitgeber bezahlte Anti-Stress Seminare für eine Art Dressur von Mitarbeitern hält und sie daher ablehnt.

 

Ebenfalls nicht zu empfehlen sind klassische Führungskräfteseminare, um die etablierte Führungskultur zu ändern. Das ist - da werden Sie mir zustimmen - fast hoffnungslos. Selbst wenn die Vorgesetzten teilnehmen, werden solche Seminare in vielen herkömmlichen inhabergeführten Unternehmen keine nachhaltige Änderung der Führungsklutur herbeiführen.

 

Basierend auf meiner langjährigen Erfahrung schlage ich stattdessen für mittelständische und inhabergeführte Unternehmen Seminare vor, auf denen Mitarbeiter lernen, ihre starken Chefs zu führen. Delegiert er/sie z.B. schlecht - kann der Mitarbeiter helfen, indem er den Chef nach den fehlenden Elementen fragt. Also z.B. wie das Ziel konkret lautet (SMART Formel) und welche Form und Frequenz von Updates der Chef haben möchte.

So holt man die Mitarbeiter aus der Opferrolle in eine Gestalterrolle. Der Mitarbeiter und der Chef sind zufrieden - eine klassische Win/Win - Situation.

 

Und die Zusammenrottungen nach dem Mittagessen sollten der Vergangenheit angehören.

 

KUH

(für die Initiative für wertschätzende Führung)